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Bindung

Bindung ist das Fundament unserer Persönlichkeit und psychischen Gesundheit.

"Bindung ist das gefühlstragende Band, das eine Person zu einer anderen Person anknüpft, und das sie über Raum und Zeit miteinander verbindet." (John Bowlby & Mary Ainsworth)

Die Entwicklung der Bindungsbeziehung

Bindung entwickelt sich aus der wechselseitigen Beziehung zwischen dem Kind und seinen nahen Bezugspersonen. Nachfolgend finden Sie einige Anhaltspunkte, wie sich in den ersten Lebensjahren die Bindungsbeziehung entwickelt:

 

Erste Lebensmonate

Das Kind wird vertraut mit Vater und Mutter. Es lernt sie als diejenigen kennen, die auf seine Signale reagieren und seine unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen. 

Sicherheit und Geborgenheit erfährt das Kind in diesem Alter vor allem im engen Körperkontakt. An das Getrenntsein vom Körper der Mutter muss es sich erst allmählich gewöhnen.

 

Ab ca. 3 Monate

Das Kind kann seine Bezugspersonen von anderen Personen deutlich unterscheiden. Es wendet sich mit seinen Bedürfnissen gezielt an seine Bindungspersonen. Es kann sich bereits deutlicher mitteilen. Für das Gefühl von Nähe ist es nicht mehr ausschließlich auf den engen Körperkontakt angewiesen.

 

Ab ca. 7-8 Monate

Die meisten Kinder beginnen nun mit ihren ersten Versuchen, sich selbstständig fortzubewegen. Die geistigen und emotionalen Fähigkeiten sind inzwischen so weit entwickelt, dass das Kind stärker als zuvor die Trennung von Mutter oder Vater erlebt. 

 

Das Kind braucht die Rückversicherung durch die Eltern, wenn es sich von ihnen entfernt, Neues ausprobiert und entdeckt. Sein ganzes Bindungsverhalten (Weinen, Anklammern) ist nun darauf ausgerichtet, die Nähe zu den Eltern oder einer anderen Bezugsperson sicherzustellen. Die Beziehung zu Mutter und Vater entwickelt sich zunehmend zu einer fortdauernden gefühlsmäßigen Bindung, die sich in den Folgejahren weiter festigt.

 

Mit zunehmendem Alter ist das Kind schließlich nicht mehr ständig auf die Anwesenheit seiner Bezugspersonen angewiesen, um sich sicher zu fühlen. Das Kleinkind ist immer mehr in der Lage, selbstständig die Nähe vertrauter Personen aufzusuchen und sich auch wieder zu entfernen, wenn es auf "Entdeckung" geht: Es hat seine "sichere Basis" verinnerlicht und kann darauf zurückgreifen.

 

Auch Kinder mit einer Behinderung entwickeln eine solche enge Beziehung zu ihren Bezugspersonen und umgekehrt. Bei manchen Behinderungen, wie zum Beispiel Autismus, zeigt ein Kind jedoch kaum oder gar kein Bindungsverhalten. Für Eltern kann das sehr belastend sein und ihnen den Zugang und die Beziehung zu ihrem Kind erschweren.

 

So können Sie eine sichere Bindung fördern

Seien Sie aufmerksam gegenüber Ihrem Kind. Gehen Sie auf seine Fürsorge- und Bindungsbedürfnisse ein. Reagieren Sie sofort und trösten Sie Ihr Kind geduldig, wenn es schreit. Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihr Kind, vor allem bei der Pflege und beim Stillen oder Füttern. Nutzen Sie diese Gelegenheiten, mit ihrem Kind zu sprechen, indem Sie ihm zum Beispiel erzählen, was Sie gerade tun. Richten Sie sich nach Ihrem Kind, wann und wie viel Kontakt es mit Ihnen haben möchte: Nehmen Sie es auf, wenn es auf Ihren Arm möchte und mit Ihnen schmusen will. Setzen Sie es wieder ab, wenn es Ihnen zeigt, dass es genug hat. Zeigen Sie Ihre Freude, wenn sich Ihr Kind offensichtlich für Sie oder die Dinge in seiner Umgebung interessiert, und unterstützen Sie seine Neugier.

 

Wenn die Beziehung zum Kind schwerfällt

Manche Mütter können kein Gefühl der Nähe für ihr Baby entwickeln und empfinden kaum Freude an ihrem Kind. Das Baby kann nur schwer zu ihnen durchdringen, seine Kontaktversuche werden kaum erwidert. Andererseits haben diese Mütter oft übertrieben Sorge und Angst, ihrem Baby könne etwas passieren. Zu Traurigsein, Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit kommen oft noch Scham und das Gefühl, zu versagen und eine schlechte Mutter zu sein.

Solche oder ähnliche Empfindungen können Anzeichen einer sogenannten postpartalen Depression sein. Diese Erkrankung ist gut behandelbar und sollte möglichst rasch behandelt werden. Denn unbehandelt kann sie dauerhaft die Beziehung zwischen Mutter und Kind erschweren und dadurch die gesamte kindliche Entwicklung erheblich beeinträchtigen.

Wenn Sie sich oft niedergedrückt und in Ihrer Aufgabe als Mutter andauernd überfordert, sehr unsicher oder gestresst fühlen, sollten Sie unbedingt Hilfe suchen. Dies gilt auch, wenn Sie beispielsweise aufgrund von Behinderung oder Krankheit Ihres Kindes nur schwer Zugang zu ihm finden.

 

Fragen Sie Ihre Hebamme, Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin oder mich nach Beratungsangeboten für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern in Ihrer Nähe. Inzwischen gibt es in allen Gemeinden auch sogenannte Frühe Hilfen, die Eltern in der fürsorglichen Beziehung zu ihrem Kind unterstützen und begleiten. Dazu gehören auch Familienhebammen, die bei besonderen Belastungen Eltern bei der Pflege, Entwicklung und Förderung ihres Kindes im ersten Lebensjahr unterstützen können. Ich stelle gerne den Kontakt für sie her, ansonsten erhalten Sie in der Regel beim örtlichen Jugend- bzw. Gesundheitsamt alle Informationen.

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© www.absolutDu.de Nadine Küpper