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ATNR - "Tollpatsch-Reflex"

Es gibt einen Reflex, den ATNR (Asymetrisch Tonischer Nacken Reflex), ich nenne ihn liebevoll den „Tollpatsch-Reflex“, er entwickelt sich in der 13. Schwangerschaftswoche. Der Reflex wird durch die Kopfdrehung zur Seite aktiviert. Die gleichseitigen Extremitäten werden gestreckt, die Gliedmaßen der anderen Seite gebeugt. Das ist die Box- bzw. Trittbewegung des Ungeborenen, die eine Schwangere spürt. Dieses Bewegungsmuster unterstützt während der natürlichen Geburt die Wehen Kontraktion und verschafft dem Kind die darunter notwendigen Verschnaufpausen.

 

Während der ersten 7 Lebensmonate verbringt das Neugeborene ca. 80% seiner Zeit in dieser Reflexhaltung, denn sie ist für die neuronalen Verknüpfungen und die Muskelspannung immens wichtig. Dieser Reflex ist die Basis für die Entwicklung mehrerer kognitiver Systeme, wie die auditive und visuelle Wahrnehmung, die Raumorientierung und das Wahrnehmungsgedächtnis.

Er ist für das Sprech- und Sprachzentrum der linken Gehirnhälfte sowie der Entwicklung eines weiteren Reflexes, dem STNR verantwortlich. Die Basalganglien hemmen zum natürlich vorgegebenen Zeitraum diesen Vorgang und das Kind wird den Kopf drehen können während der Arm entspannt bleibt.

Integriert der ATNR nicht vollständig, kommen bei Auslösung der Kopfdrehung sämtliche Streckmuskeln vom Kopf bis zu den Füßen auf der Gesichtsseite in einen Hypertonus (einem erhöhten Spannungszustand der Muskulatur). Von der Kopfhaut über Gesichtsmuskeln, Zunge, Schultern, Arme, den Körper hinunter bis zum Fuß. Auf der Hinterkopfseite sind die Beugemuskeln gleichzeitig in einem Hypotonus (einer Erschlaffung der Muskulatur). Das ist sehr anstrengend, da das Gefühl der Mitte nicht erfahren werden kann.

 

Bei einem unvollkommen integrierten Reflex können folgende Auffälligkeiten auftreten:

  • Die Eigendynamik des Körpers verursacht viel emotionalen Stress und eine niedrige Frustrationstoleranz ist die Folge.
  • Die vertikale Körpermittellinie kann nicht gekreuzt werden.
  • Auditive und visuelle Wahrnehmung ist beeinträchtigt
  • Eingegrenzte Raumorientierung
  • Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörung
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Schwierigkeiten in der Rechtschreibung, Grammatik, Rechnen
  • Beim Lesen wird der Kopf mitbewegt, so dass oft Wörter und Buchstaben ausgelassen werden
  • ADS & ADHS können sich entwickeln.

 

Stellen wir uns ein Schulkind mit einem unvollständig integrierten, also aktivem ATNR vor. Das ist ein Kind, welches wenn es zur Seite schaut reflexartig auch den Arm und wahrscheinlich auch das Bein mit bewegt. Diese Kinder erscheinen uns immer so tollpatschig. Wir sehen seinen Bewegungen zu und wissen „gleich schmeißt er etwas runter“, „gleich wischt er den Tisch frei“, usw. Das Kind kann dieses Bewegungsmuster nicht ändern, da es ein Reflex ist, also muss es lernen, dieses Bewegungsmuster zu kompensieren. Es muss lernen den Arm fest zu halten, also wenn der Kopf gedreht wird, gleichzeitig die Armmuskeln anzuspannen, um den Arm ruhig zu halten.

 

Wenn wir uns nun mal überlegen was im Körper passiert, wenn bei Bewegungen Muskeln angespannt werden, die nicht dafür gedacht sind; dann können wir uns vorstellen warum all die Kopfschmerz-, Rücken- und Nackenproblematiken auftreten. Weil, wir vielleicht seit Jahren Reflexe kompensieren, die nicht integriert sind, denn sonst kämen wir im Alltag nicht zurecht.

 

Bei diesem ATNR Muster bedeutet die Reflexintegration, dass der Reflex gehemmt, also von willkürlichen Bewegungsmustern abgelöst wird, damit es dann möglich ist den Kopf zu drehen, ohne dass sich die Extremitäten mit bewegen.

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© www.absolutDu.de Nadine Küpper